Schweizer Notenbanker drücken Eurozinsen meint S&P
Am 6. September 2011 fixierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro zum Franken. Seither sind die Währungsreserven der Alpenrepublik kräftig gestiegen. Eine aktuelle Analyse der Ratingagentur Standard & Poors erläuterte die Konsequenzen.

Einseitige Währungsfixierung
Normalerweise kämpfen Notenbanker eher gegen eine zu schwache eigene Devise. Die Schweizer sahen das anders, wenn sie auf ihre Währung schauen. 2011 standen die Zeichen auf die Parität (1€ = 1 SFr.). Dadurch wurden Arbeitsplätze im eigenen Land gefährdet, da der Anpassungsdruck sehr massiv erfolgte und eine exportorientierte Wirtschaft wie die der Schweiz zu leiden begann. Die Notenbanker gaben bekannt, dass sie ein Aufwerten der eigenen Währung nicht mehr zulassen wollen.
[box title=“SNB-Meldung vom 6. September 2011″ color=“#D67E29″]Nationalbank legt Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro fest
Die gegenwärtig massive Überbewertung des Schweizer Frankens stellt eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar und birgt das Risiko einer deflationären Entwicklung. Die Schweizerische Nationalbank strebt daher eine deutliche und dauerhafte Abschwächung des Frankens an. Sie toleriert am Devisenmarkt ab sofort keinen EuroFranken-Kurs unter dem Mindestkurs von 1.20. Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen. Der Franken ist auch bei 1.20 pro Euro hoch bewertet und sollte sich über die Zeit weiter abschwächen. Falls die Wirtschaftsaussichten und die deflationären Risiken es erfordern, wird die Nationalbank weitere Massnahmen ergreifen.[/box]
Die genannte Grenze von 1,20 Sfr. je Euro wurde zunächst verbal verteidigt. Dabei blieb es jedoch nicht. In der Folge kauften die Notenbanker Euro in Milliardensummen an und gaben dafür eigenes Papier aus. Logischerweise suchten die Notenbanker eine Geldanlage – die Schweizer wollten es besonders sicher und wurden in den stabilen europäischen Staaten fündig. Jetzt legt eine Analyse der Ratingagentur von S&P nahe, dass diese Politik Auswirkungen auf die gesamte Eurozone hatte und dadurch die Krise in Europa verschärfte. Der Zins für sichere Anleihen fiel von 3,04 Prozent in 2011 auf 2,15 Prozent im September 2012. Für Staaten der Peripherie, die nicht so gefragt waren, stiegen die Zinsen zeitglich. Die Schere, ausgedrückt durch den Spread von Staatsanleihen nahm also zu. Die SNB hat einen Beitrag dazu geleistet.
Inzwischen sind nach Berechnungen der Ratingagentur S&P Anleihen im Volumen von 48 Prozent des Jahresbedarf der stabilen Eurostaaten von der SNB absorbiert worden. Die Folge waren sinkende Zinsen für Länder wie Deutschland. Die Staaten der Peripherie (Italien, Spanien, Portugal) wiederum mussten die gegenläufige Entwicklung mitmachen.
Gegenposition
Ein Kommentar, der komplett die gegenteilige Einschätzung der S&P-Bewertung vertritt, finden Sie hier. Der Autor argumentiert, dass die niedrigen Zinsen der starken Länder dem Eurosystem helfen könnten. Dazu passt ein Interview von Investment Alternativen mit Friedrich Heinemann vom ZEW, der einen Ausgleich für Zinsunterschiede vorgeschlagen hat. Das Problem ist dann nur, dass die Gewinner in einer realen Welt nicht ohne Weiteres teilen wollen. Auch geht der Autor des Kommentars genau wie die SNB bei seinen Ausführungen davon aus, dass der Wechselkurs des Franken überbewertet sei. Das ist jedoch nicht mehr als eine Meinung und in einer Zeit der Krise in Europa möglicherweise auch nicht richtig.
Unser Kommentar
Singuläre Erklärungsansätze für Zinsentwicklungen scheinen zu kurz zu greifen. Das dürfte auch hier gelten. Letztlich sind es jedoch nicht nur die viel kritisierten Hedgefonds, die für den Schlamassel in Europa verantwortlich sind, sondern die feinen Banker der Schweizerischen Notenbank trifft wegen ihres Eingriffs in den Wechselkursmechanismus möglicherweise auch eine gehörige Mitschuld. Wer sich in ein System freier Wechselkurse begibt, der muss auch bereit sein, die Folgen zu tragen, selbst wenn diese mal nicht gefallen. Da die SNB diesen Gedanken vor einem Jahr aufgegeben hatte, treten jetzt die Unwuchten anderswo in der Welt auf. Höhere Zinsdifferenzen in Euroländern scheinen eine dieser Folgen zu sein. Ökonomisch ist der Schritt der SNB durchaus ein Foul. Wenn auch innenpolitisch verständlich. Richtig ist: Die Banken nehmen gerne die Fluchtgelder aus Griechenland und anderswo, aber die Krisenländer erhalten keine Chance sich mit einem deutlich besseren Wechselkurs gegenüber der Schweiz zu behaupten.

